SCHMERZPSYCHOLOGIE
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Im klinischen Alltag kommt die Schmerzpsychologie häufig nur den glücklichen Patienten zugute, die in einem Schmerzzentrum mit entsprechenden personellen Ressourcen behandelt werden. Außerhalb der wenigen spezialisierten Einrichtungen sind die Möglichkeiten einer Behandlung mit Mitteln der Schmerzpsychologie jedoch rar. 

Ziele der Schmerzpsychologie sind die Verbesserung der Selbstkontrolle des Schmerzes und der Problemlösefähigkeiten der Patienten, da andauernder Stress durch ungelöste Probleme die Schmerzen verstärken kann. Die Schmerzpsychologie geht also weit über die bloße Verbesserung der Schmerzbewältigung hinaus.

Natürlich soll die Schmerzpsychologie helfen, die bestehenden Schmerzen besser zu ertragen. Dabei schwingt allerdings oft die Annahme mit, dass die eigentlichen körperlichen Ursachen der Schmerzen unverändert bleiben. Dies stimmt so nicht, denn psychische Faktoren beeinflussen direkt das Zustandekommen des Schmerzerlebens, daher führt dessen Beeinflussung auch zu einer direkten Beeinflussung des Schmerzes selbst.

Schmerzpsychologie ist besonders erfolgreich, wenn sie in ein interdisziplinäres Vorgehen bzw. ein multimodales Therapiekonzept eingebettet ist. Das heißt das parallel medizinische, psychologische und physiotherapeutische und bei Bedarf noch weitere Therapeuten gemeinsam und ganzheitlich an einer Schmerzlinderung arbeiten. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass gerade die Schmerzpsychologie, aber auch die Physiotherapie, elementar auf die Mitarbeit und Motivation des betreffenden Patienten angewiesen ist.

Es folgt eine Aufzählung typischer kognitiv-verhaltenstherapeutischer Therapieelemente im Rahmen der Schmerzpsychologie:

·     Analyse und ggf. Veränderung schmerz- und stressfördernder Bedingungen,

·     Umformulierung von katastrophisierenden und depressionsfördernden Gedanken,

·     Verbesserung konfliktträchtiger Kommunikation über den Schmerz,

·     Aufbau angemessener Aktivitäten,

·     Erlernen von Entspannung,

·     Biofeedback sowie

·     Unterstützung bei der Anwendung im Alltag.

Biofeedback ist übrigens definiert als die kontinuierliche Rückmeldung von Körpersignalen oder Körperfunktionen (z.B. akustisch oder optisch), so dass damit eine Beeinflussung von Körperfunktionen möglich wird, die ansonsten „automatisch“ ablaufen und damit der bewussten Veränderung schwer zugänglich sind (Olson, 1995).

Ein Biofeedback-Gerät ist mit einer Krücke vergleichbar, die einem Bein verletzten die Zeit zu überbrücken hilft, bis er wieder ohne Hilfsmittel gehen kann.

Schmerzspezifische Anwendungsbereiche der Biofeedback-Therapie:

·     Kopfschmerzen

·     Rückenschmerzen

·     anhaltende somatoforme Schmerzstörung

·     Temporomandibulargelenksyndrom (Temporomandibuläre Dysfunktion, Kraniomandibuläre Dysfunktion)

Allgemeine Anwendungsbereiche der Biofeedback-Therapie:

·     Förderung der allgemeinen Entspannungsfähigkeit

·     Vermittlung eines psychophysiologischen Krankheitsmodells und Erstellung eines Stressprofils

·     Verbesserung der Körperwahrnehmung

·     Abbau von Fehl- und Schonhaltungen; Arbeitplatzanalyse und Ergonomie

Es gibt unterschiedliche Formen von Biofeedback, die für die Schmerzpsychologie relevant sind:

1. Handerwärmungstraining / Temperatur-Biofeedback:

Ein Temperaturfühler am Finger misst die Hauttemperatur, welche dem Patienten optisch oder akustisch rückgemeldet wird. Ziel ist die willentliche Erhöhung der peripheren Temperatur, die als Maß für allgemeine Entspannungsfähigkeit gilt. Das Hauttemperatur-Biofeedback wird z.B. zur Migräneprophylaxe (= Migränevorbeugung) eingesetzt.

2. Vasokonstriktionstraining:

Bei dieser Biofeedback-Anwendung wird die Weite der Schläfe narterie meist in Form eines Kreisrings auf einem Bildschirm rückgemeldet. Ziel ist die willentliche Verengung der A. temporalis, um damit einen Migräneanfall zu kupieren.

3. Elektromyographie-Biofeedback (EMG-Biofeedback):

Der Spannungszustand der Muskulatur wird über Klebe-Elektroden erfasst und mittels Biofeedback-Gerät sichtbar oder hörbar gemacht. Ziel ist es, eine Absenkung des Muskel tonus zu erreichen. Einsatzmöglichkeiten dieser Biofeedback-Anwendung ergeben sich u.a. bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp oder bei Rückenschmerzen

4. Atem-Biofeedback:

Chronische Schmerzen werden häufig von Hyperventilation begleitet. Ein Atemtraining, bei dem die Bauchatmung gelernt wird, kann dieses ungünstige Atemmuster verändern. Ein „Atemgürtel“ oder ein Sensor, der über dem Bauch plaziert wird, erfasst die Atemfrequenz und die Atemtiefe. Diese Biosignale werden rückgemeldet (= Biofeedback).

Gegebenenfalls kann auch Hypnose zur im Rahmen der Schmerzpsychologie indiziert sein. Hypnose verändert die sogenannte „affektive Schmerzempfindung“, d.h. denjenigen Schmerzwahrnehmungs- und Schmerzbewertungsbereich im Gehirn, der den Schmerz z.B. „schrecklich“ und „unangenehm“ macht. Dabei bleibt die „sensorische Schmerzempfindung“ intakt, d.h. man kann zwar beschreiben wo der Schmerz sitzt, aber bleibt relativ gelassen dabei.

Die Effektivität der Schmerzpsychologie bei Patienten mit chronischen Schmerzen ist hinreichend belegt. Dabei haben sich insbesondere kognitiv-verhaltenstherapeutische Verfahren als erfolgreich erwiesen. 

Die Schmerzpsychologie hat inzwischen einen festen Platz innerhalb der Schmerztherapie in Deutschland, denn eine effektive Therapie chronischer Schmerz en ohne ein begleitendes Angebot zur Schmerzpsychologie ist kaum möglich.

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Aktualisiert: >02.06.2007</> kusB
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